Workshop-Übersicht

Workshop 1: Politische Biografien aus der Perspektive des Theaters – mit Mirella Galbiatti

Die Praktiken, die Gewohnheiten, sind sowohl individuell als auch kollektiv. In diesem Raum laden wir ein, um gemeinsam über die Überschneidungen zwischen Politik und Biografien nachzudenken, wie? durch Spielen, Lachen, kollektives Nachdenken.

Zur Person

Porträt von Mirella Galbiatti

Ich begann meine berufliche Laufbahn als Schauspielerin und Theaterpädagogin und entwickelte mich zunehmend in Richtung Gemeinwesenarbeit, Frieden und Konflikttransformation hin zu Kunst für Politische Bildung. Mein Ansporn war und ist die Verbindung von Kunst und sozialer Gerechtigkeit. Ich frage mich immer wieder: Wie kann man gesunde_gerechte individuelle, soziale und strukturelle Beziehungen innerhalb der Gesellschaft erreichen?

In Argentinien, wo ich geboren, aufgewachsen und sozialisiert wurde, und in Deutschland habe ich Projekte gemacht, die sich mit Marginalisierung, Strafvollzug und Geschlechterfragen auseinandersetzen; derzeit lebe und arbeite ich in Jordanien und bin zufälligerweise im Oktober in Deutschland und kann beim Fachtag vor Ort dabei sein.

Workshop 2: Mit Widerstand traumasensibel umgehen – mit Jay Keim

In der politischen Bildung und Prozessbegleitung sind wir immer wieder mit Widerstand von Teilnehmenden konfrontiert. Wie können wir diesen Widerstand besser verstehen, wenn wir uns dem Nervensystem und dessen Aktivierung zuwenden? Welche körperlichen und kreativen Praktiken können dabei unterstützen, Teilnehmende zu stabilisieren und zurück in den Prozess zu begleiten? Im Workshop werden wir traumasensible Grundlagen zum Nervensystem kennenlernen, Stabilisierungsübungen ausprobieren und Praxis-Erfahrungen teilen.

Zur Person

In meiner Begleitung persönlicher und kollektiver Prozesse tauche gerne in emotionale und inhaltliche Tiefen. Meine Rolle in Veränderung suche ich als weiße (gender)queere Person darin, durch transformatives Zuhören und somatische Praxis Räume zu öffnen und zu halten. Dabei übe ich die Balance zwischen liebevoller Zugewandtheit und herausfordernder Klarheit zu finden. Integrität und liberation sind meine Orientierungspunkte in meiner persönlichen und gesellschaftlichen Transformationsarbeit. Mein Commitment ist es white supremacy zu heilen und verletzliche Verantwortung und echte Verbundenheit zu leben. www.jaykeim.de

Workshop 3: Mittendrin statt nur dabei – Darf ich mich als Leitung in einer Gruppe zeigen? – mit Karen Johne

Im Spannungsfeld zwischen unserer Sehnsucht nach Zugehörigkeit und Verbundenheit mit Gruppen und unserer ängstlichen Abwehr, uns selbst präsent und verletzlich in ihnen zu zeigen – so erlebe ich mich, Menschen, die bei uns in der Ausbildung sind und andere Kolleg*innen, die Gruppen leiten, immer wieder. Oft wurde uns auf verschiedenen Wegen mitgeteilt, wie wir die Rolle als Leitung auszufüllen haben. Meistens waren diese Botschaften von eigenen Ohnmachtserfahrungen geprägt und führen dazu, uns als möglichst neutral/außen vor darzustellen, im Hintergrund damit beschäftigt, möglichst alle Erwartungen der Teilenehmer*innen zu erfüllen, usw.

In meinem Workshop möchte ich Euch einladen, gemeinsam zu explorieren, wie wir individuell mit unserer Präsenz umgehen, aber auch was für kulturelle Botschaften und Tabus uns dazu prägen. Wie weit kann ich in Beziehung gehen und wo sind meine Grenzen? Versuche ich eher, mich komplett aus dem Prozess raus zunehmen oder bringe ich mich und meine Wahrnehmung mit ein? Was passiert mit dem, was ich von mir ausschließe? Was möchte ich vielleicht zukünftig integrieren und was kann das für einen Gruppenprozess ermöglichen?

Zur Person

Aus dem humanitären und friedenspolitischen Feld kommend arbeite ich seit nun fast 18 Jahren freiberuflich als Trainerin, Beraterin und Supervisorin mit Aktivist*innen, sozialen Bewegungen, NGOs, Kollektiven, sozialen und psychosozialen Einrichtungen sowohl auf lokaler und als auch auf internationaler Ebene. Gemeinsam mit meinem Kollegen Karl-Heinz Bittl bilde ich Menschen als Trainer*in oder Konfliktberater*in (ATCC) aus. Parallel baue ich gerade meine (trauma-) therapeutische Praxis auf.

Ich freue mich über die Einladung zum Fachtag und dessen Impuls, Wahrnehmungen und Gefühle stärker in die Bildungs- und Beratungsarbeit aufzunehmen. Es ist mir ein großes Anliegen, unsere oft sehr verkopft geprägten Ansätze zu erweitern, damit wir auch inmitten der vielen Krisen, in Verbindung mit uns selbst, den Anderen, der Welt und damit auch politisch handlungsfähig bleiben können.
www.karenjohne.de

Workshop 4: Diskriminierung und Rassismuskritik neu denken fühlen! – mit Ka Kem

Diskriminierung und Rassismus begleiten die Menschheit bzw. die letzten Menschen-Generationen gefühlt, seit wir denken können. Macht- und Rassismuskritik scheint in unser Bewusstsein eingekehrt zu sein, als wir (wieder) gelernt haben, (selbst)bewusst zu fühlen.

In diesem Workshop möchte ich unser gemeinsames politisches Bildungsengagement mit unseren Emotionen und Biografien beleuchten. Dabei sollen u. a. Fragen in den Raum geworfen werden wie: Ist es möglich, Diskriminierung und Rassismus mit dem Herz zu behandeln? Können wir diesen manchmal abstrakten, erfundenen Theorien und Konstrukte anders als mit dem Kopf begegnen?

Musik und Tanz sollen uns unterstützen, individuell von dem Kopf in das Herz zu reisen und die Frage der Diskriminierung und des Rassismus neu zu betrachten, bzw. mit den Brillen der Selbstwertschätzung, der Liebe und mit einem globalen Fokus…

Zur Person

Ich wurde von unterschiedlichen Lebensphasen geprägt. Seit ich geboren bin, hatte ich mit Menschen aus allen Kontinenten zu tun. An der Grenze mit Genf aufgewachsen war „reich sein“ in meinem Umfeld nur gleichbedeutend mit Geld. Nach einem BWL-Studium und den Erfahrungen als IT-Projektmanager und Trainer in Banken und Chemiekonzernen, musste ich feststellen, dass monetär „reich“ öfters mit überproportional viel Armut in dieser Welt einhergeht und sich verelendend auf der Erde auswirkt. Sehnsüchtig nach einem wahrgenommenen gerechteren Gleichgewicht auf dieser Erde, machte ich mich vor mehr als zehn Jahren auf den Weg. Ich habe damals mein erstes Leben hinter mir gelassen und freiberuflich, gefühlt zum ersten Mal, sinnvoll meine Energie eingesetzt. Heute engagiere ich mich für Selbstorganisation, „Transkulturalität“ und diskriminierungskritische Haltung. Alle Methoden, Werkzeuge und Aktivitäten, die potentiell zu einem besseren Miteinander führen, treffen bei mir auf Begeisterung.